♂ Dark Destiny (Jennifer Benkau) [Rezension]

„Der dunkle Staub, den Dark Canopy als
Kuppel über unser Land legte, hatte sich mit dem Nebel vermischt. Wir waren
alle gefangen unter einer Wolke aus Asche.“
(S. 27)
„Es ist nicht gut zu vertrauen. Es
bringt uns in Schwierigkeiten und hinterlässt nur Enttäuschungen.“
(S. 236)
„Ich saß eine lange Zeit neben ihm,
spürte die Sonnenstrahlen über meine Haut kitzeln und dachte an all die schönen
Momente, die wir miteinander geteilt hatten.“
(S. 403)

 

 

Es gibt kein Lebenszeichen von Neél. Joy
stirbt fast vor tiefer Verzweiflung. Warum hört sie nichts von ihrem geliebten
Neél? Hat Matthial ihn zu Tode gefoltert?
Dann kommt der Tag, an dem Matthial
Joy bittet, Informationen zu den Waffenlagern der Percentsaus Neél
herauszuholen. Sie stimmt zu, nur um Neél sehen zu können.
Der Percent steht dem Tod näher als
dem Leben. Und Joy kann ihm nicht helfen. Sie ist selbst mehr Gefangene als
Clan-Mitglied. Ihre Verzweiflung gewinnt Überhand…
Matthial plant, Neél im Tausch gegen
Privilegien an die Triade zurückzugeben. Aber der Plan scheint nicht
aufzugehen. Wenig später erklärt er Joy, dass es Neél nicht geschafft hat. Neél
ist tot. Für Joy bricht eine Welt zusammen…

 

 

Diesen zweiten Teil hatte ich so
sehnsüchtig erwartet, wie kaum ein anderes Buch. Und ja, ich war wieder
gefangen unter den Aschewolken von „Dark Canopy“ und erlebte hautnah die zum Teil
nervenaufreibenden, emotionalen und mitreißenden Handlungen der Protagonisten.
Anders als im ersten Teil, war die
Distanz zu Joy von Beginn an geringer. Joy erschien eindeutig gereifter und
überlegter in ihrer Vorgehensweise, was ihr meinerseits von Beginn an mehr
Sympathie verlieh. Joy wurde für mich eindeutig verständlicher in ihrer Art,
weil sie nun auch durchweg menschliche Gefühle zuließ und ihre Handlungen damit
erklärbar wurden.Doch ihren Mut und Durchhaltewillen hat sie nicht verloren.
Sie glaubt  an das Unvorstellbare und
legt ihre weiteren Schritte danach aus. Joy ist in der Geschichte deutlich
gereift und auch die Leser, die ihr gegenüber eine gewisse Antipathie empfunden
haben, werden ihrem neuen Ich positiv entgegentreten.
Matthial versucht, die Rolle als
Clanführer bestmöglich umzusetzen und schreckt auch vor unvorstellbaren
Handlungen nicht zurück. Brutalität und Rücksichtslosigkeit werden für ihn mehr
und mehr normal. Doch zwischendurch kommen auch bei ihm menschliche Gefühle an
und er erweist sich dann doch teils als Helfer in der Not. Matthial hat mich
wirklich überrascht. Mitunter erscheint er fremdgesteuert aufgrund seiner neuen
verantwortungsvollen Aufgaben, aber andererseits hat er scheinbar sein wahres
Inneres nicht vollständig begraben. Und gerade Matthial bietet in „Dark
Destiny“ eine Bandbreite, die man als „himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“
wahrscheinlich nicht treffender beschreiben könnte…
Natürlich spielt auch Neél eine
wichtige Rolle in „Dark Destiny“. Sei es während der Zeit seiner Folter und
Gefangenschaft, oder in Joys Gedanken an die gemeinsame Zeit; Neél ist der
Charakter, der die Geschichte vorantreibt. In Gedanken an  ihn verspürt Joy eine tiefe Sehnsucht und
Liebe, die auch ihr Handeln immer wieder bestimmt. Definitiv ist Neél mein
Lieblingscharakter in dieser Reihe, auch wenn ich im ersten Band erst einmal
mit ihm „warm“ werden musste. ER ist der bestimmende Charakter, dessen Geist
über den Fortlauf der Geschichte bestimmt und die gewissen Akzente setzt!
Zum Schreibstil von Frau Benkau kann
man eigentlich nur eines sagen. Brilliant ist deutlich untertrieben! Ich fühlte
mich auch in diesem zweiten Teil dermaßen gut in der Geschichte aufgehoben, als
würde ich diesen sofort nach dem Auftaktband lesen. Die Autorin hat mich nie
allein gelassen, sie hat mich vielmehr an den Gefühlen und Entscheidungen ihrer
sehr gut dargestellten Protagonisten beteiligt, dass ich während des Lesens der
Meinung war, selbst ein Teil der Geschichte zu sein. Ich erlebte viele Szenen
hautnah, fühlte und verstand die Gedankengänge und wurde mal auf die eine, mal
auf die andere Seite gezogen…
Und, Frau Benkau, jetzt nochmal ein
Wort unter 4 Augen…Wie kann man bei einer Dilogie SO ein Ende einbauen!!! Das
Ende ist absolut passend…Ohne Frage! Es lässt mich auch recht zufrieden zurück.
Aber noch nie habe ich so sehr einen dritten Teil herbeigesehnt, den es aber offensichtlich
nicht geben wird. Aus meiner Verzweiflung daraus verspüre ich jedoch neue
Hoffnung, dass sich die Autorin vielleicht ja doch noch davon überzeugen lässt,
dass eine Trilogie oder vielleicht eine Spin-Off-Reihe angemessener wäre…

 

 

Düster, emotional, brutal,
mitreißend… Das alles beschreibt die Fortsetzung des genialen Dilogie-Auftakts „Dark
Canopy“. Frau Benkau setzt auch mit „Dark Destiny“ neue Maßstäbe in Sachen
Dystopie. Ein dermaßen hohes Lesevergnügen kann ich nur mit mehr als eindeutigen
5 Büchern
belohnen! Lest es!
Für alle Fans düsterer Welten, die von
kleinen Hoffnungsschimmern durchzogen werden, die aber mit Enttäuschungen
umgehen können und nicht unbedingt auf ein erwartetes Ende aus sind. Ein
Must-Read für alle, die sich schon vom ersten Teil angezogen gefühlt haben.

 

1.
Dark
Canopy (Rezension)
2.
Dark
Destiny

6 KOMMENTARE

  1. Was für eine einnehmende Rezension, die dringlich bestärkt, sich diesen Büchern zu widmen. Ich glaube, die "Worte unter vier Augen" sagen alles. Deine Beschreibung gefällt mir unheimlich gut.

    Beste Stöbergrüße,
    Kora

  2. Über diese Bücher stolpert man momentan ja quasi an jeder Ecke. Irgendwie bin ich mir trotzdem noch nicht so ganz sicher, ob die was für mich sind, oder ob mir das Thema nicht zu düster ist. Sehr schöne Rezension jedenfalls 🙂

    LG Michaela

  3. MENSCH!!!!
    Also hätte ich momentan nix zu lesen, dann würde ich sofort losrennen und mir Band 1 schnappen! 😀
    Und wehe jetzt kommt wieder ein Spruch wie "Jan, du MUSST es ganz bald lesen"! 😀

  4. Hi Jan,

    den Spruch schenke ich mir diesmal 😉 Du hast ja auch so genügend gute Bücher daheim! Aber, ziehe es zumindest in Erwägung zu lesen. Du wirst es nicht bereuen…!

    LG

    Kay

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