♂ Die Scanner (Robert M. Sonntag) [Rezension]

„Frauen und Männer standen dicht
nebeneinander am Feuer. Ich sah dunkle Zeltbahnen, die notdürftig mit Seilen an
Strommasten befestigt waren. Überall schwarze Stofffetzen voller Löcher.“
(S. 46)
„Und ich kannte den Absender! Ich
kannte die Personen, die hinter dem Anschlag steckten.“
(S. 90)

 

 

Rob ist ein Scanner. Gemeinsam mit
seinem besten Freund Jojo spürt er Leser, oder besser gesagt deren Bücher, auf.
Richtige Bücher. Und diese sind verpönt. Sein Arbeitgeber Scan AG, ein Tochterunternehmen
des Ultranetz-Konzerns, hat sich zum Ziel gesetzt, alle Informationen kostenlos
für alle im Netz zur Verfügung zu stellen. Die Firma strebt eine papierlose
Welt an. Deshalb werden die Bücher nach dem Scannen vernichtet. Doch es gibt
immer weniger Leser! Und die Bezahlung der Buchagenten erfolgt
erfolgsorientiert…
An einem ganz normalen Arbeitstag
treffen sie auf einen älteren Mann, Arne Bergmann. Er liest ein Buch im
Metro-Gleiter. Aber er will dieses Buch nicht an die beiden Buchagenten verkaufen.
Er hat eine andere Bedingung. Und er hinterlässt für Rob eine geheime
Nachricht. Ab jetzt nimmt Robs Leben eine unerwartete Wendung nach der anderen…

 

 

Dieses Buch wollte ich nach dem Lesen
des Klappentextes sofort im Regal haben. Gleich von Beginn an schien mir alles
vollkommen gut durchdacht und abgerundet. Und tatsächlich habe ich mich nicht
getäuscht! Allein die Geschichte rund um das Buch ist dermaßen gut inszeniert,dass
ich mich durchgehend gut unterhalten gefühlt habe.
Der Autor, der ja laut Klappentext
2010 geboren wurde und damit erst in der Zukunft schreiben wird, hat mich
gleich mitten ins Geschehen geworfen.
Das Treffen mit Arne Bergmann nimmt
dann auch unmittelbar Einfluss auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Von
Beginn an spürte ich diese beklemmende Atmosphäre aufgrund der vielen
Reglementierungen und Einteilung in Zonen, in denen die Menschen der
verschiedenen Schichten leben dürfen. Das Schlimmste, das einem Menschen
passieren konnte, war ein Abrutschen in die C-Zone.
Die C- Zone ist ein mehr oder weniger
abgeschotteter Bereich, in dem vor allem die weniger Betuchten leben. Welch ein
Wunder also, dass wir hier vorrangig ältere Menschen finden, die aufgrund
fehlender Vorsorge nicht mehr die finanziellen Mittel haben, sich in höher
dotierten Zonen aufhalten zu können. Das kommt euch bekannt vor? Ja, eindeutig!
Auch heute hört man in allen Medien Begriffe wie Altersarmut und mangelnde
Vorsorge…
Im weiteren Verlauf der Geschichte
wurde ich mit einigen gesellschaftskritischen Themen der Zukunft konfrontiert,
die mir auch aus der jetzigen Zeit allgegenwärtig erscheinen. Die Handlungen
und Gedanken der Protagonisten wurden jedoch nicht offensichtlich präsentiert,
sondern flossen direkt in den Strom meines Lesevergnügens ein, ohne störend zu
wirken. Dennoch musste ich das eine oder andere Mal erst einmal darüber
nachdenken, was ich denn da gerade gelesen habe und anschließend den Bezug zu
meinem alltäglichen Dasein herstellen. Und Ultranetz kommt euch beim Lesen
sicherlich auch sehr bekannt vor…Globale Netzwerke und ihre Auswirkungen kennt
wahrscheinlich ebenfalls jeder. Aber keine Angst…
Der Schreibstil ist insgesamt
flüssig und wirklich gut zu lesen. Die markanten Highlights, die man aus
anderen Geschichten dieser Art gewohnt ist, waren zwar nicht in vergleichbarem
Maße vorhanden, haben meinen Lesegenuss jedoch nicht beeinflusst.
Auf die Darstellung der Charaktere
verzichte ich bei der Beschreibung dieses Buches. Hier sollte sich jeder selbst
ein Bild machen und seiner Fantasie den entsprechenden Raum lassen. Viele
Interpretationen sind hier möglich. Nicht umsonst kann man für diese Geschichte
auch ein Unterrichtsmodell downloaden.
Insgesamt muss ich sagen, dass es sich
aufgrund der Ereignisse sicherlich um einen Thriller handelt, die Grundzüge der
Geschichte aber eindeutig dystopische Einflüsse bedienen.  Das Buch habe ich an einem Tag gelesen, so
fesselnd wirkte die Idee und Umsetzung auf mich!

 

 

Bei „Die Scanner“ handelt es sich mit
Sicherheit nicht um eine actionreiche und jederzeit mitreißende Geschichte.
Mich jedoch konnte das Buch absolut in seinen Bann ziehen und mir fallen
wirklich ganz, ganz wenige Kritikpunkte ein, die jemandem vom Lesen abhalten
könnten. Gemeinsam möchte ich an dieser Stelle mit dem (zukünftigem) Autor den
mahnenden Finger aufgrund der sich alltäglich widerspiegelnden Gefahren durch
allzu leichtsinnige Datenweiter- und -freigabe heben und vergebe 5 Bücher.
Ein eindeutiges Must-Read für alle
Dystopie-Einsteiger, die kritischen Themen offen gegenüber stehen und keine
adrenalingeprägte Story für schöne Lesestunden benötigen!

 

13 KOMMENTARE

  1. Das klingt schon sehr interessant, aber dann denke ich mir: nur 192 S für 12,99€ ist irgendwie zu wenig und schade. Ich mein, kaum hat man angefangen ist es schon zu Ende. Aber vielleicht kauf ichs mal irgendwann gebraucht oder so..

    @ Steffi: Danke, dass du so von Hex Hall geschwärmt hast. Es ist total toll :DDD

  2. Das klingt genau nach meinem Geschmack! Danke für die Vorstellung, jetzt werde ich es mir garantiert zulegen, ich hatte es schon auf dem Wunschzettel. Und das mit dem Geburtsdatum des Autoren ist ein schöner Gag 🙂

    Aber eine papierlose Welt, nur noch ebooks… bloß nicht! *schauder*

  3. Na das klingt ja ganz nach einem neuen Buch für mich 🙂 Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie eine Welt ohne Bücher aussieht…
    Danke für die tolle Rezi!

  4. tolle Rezi lieber Kay 🙂

    Ich hab das Buch schon eine ganze Weile auf meiner Wunschliste und ich werde es mir sicher auch noch holen, da ich mir schon gedacht habe, das es was für mich ist, was du jetzt noch mal bestätigt hast 😀

  5. Hey 😉
    ich werde mir das Buch wohl auch zulegen. Die Story klingt schon sehr interessant und deine Rezension hat mich in dem Gedanken noch bestärkt. Vielen Dank dafür 😉
    Ich finde es auch total lustig wie der Autor das mit dem Pseudonym durchzieht 😉 Zum brüllen

    LG
    Sabine

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