♀ Göttlich verliebt (Josephine Angelini) [Rezension]

„Sie weinte wegen Orion, wegen sich
selbst und wegen Lucas, vor allem aber, weil sie das alles so satthatte. Sie
konnte einige der größten Mächte der Erde beherrschen, aber über das Wichtigste
von allem – ihr eigenes Herz – hatte sie keine Kontrolle.“
(S. 143)

 

 

Helen will ihr versprechen Zach
gegenüber einhalten und macht sich in der Unterwelt auf die Suche nach seiner
Seele. Als sie auf Hades trifft, macht dieser mehr als kryptische Andeutungen
über ihre Urteilskraft, schickt sie aber schnell zurück, um ihren geschundenen
Körper zu heilen. Dabei driftet Helen oft in Traumwelten und wird Zeuge, was
sich damals zwischen Helena von Troja und Paris ereignete. Helens andere Träume
stellen sich als Visionen heraus und legen die Vermutung nahe, dass die Götter
bereits auf der Erde sind und eine Frau nach der anderen jagen, vergewaltigen
und töten.
Den Scions bleibt nichts anderes
übrig, als der Prophezeiung zu folgen. Die Parzen warten auf die Vorstellung,
die Rollen scheinen neu verteilt, aber nicht immer offensichtlich.
Der Kampf gegen die Olympier beginnt…

 

 

Das Finale der „Göttlich-Trilogie“ wurde
von so vielen heiß ersehnt. Meine Erwartungen waren hoch und ich wurde alles
andere als enttäuscht.
„Göttlich verliebt“ schließt nahtlos
an Band 2 an und der Leser wird direkt in das Nachkampfszenario geworfen. Nach
und nach steigert Frau Angelini das Tempo der Geschichte, gibt weitere Hinweise
auf die Prophezeiung und steuert so in rasender Geschwindigkeit auf das
Unausweichliche zu: Die Konfrontation mit den Göttern.
Dazu gönnt sie ihren Charakteren noch
die ein oder andere Entwicklung. Die gravierendste macht sicherlich Helen
durch. Sie wird nicht nur von Albträumen geplagt, die sich im Nachhinein als
Vision herausstellen, sondern „erinnert“ sich an die vielen Leben des „Gesichts“,
auch an das von Helena von Troja. Zu diesen gesellen sich immer weitere
Talente, die Helen stärker und zugleich unnahbarer machen.
Helens Entwicklung hätte ich im Voraus
nicht erwartet, während des Lesens wurde es aber immer deutlicher. Helens
bester Freundin Claire fiel es als erste auf und sie war mit dieser Veränderung
alles andere als zufrieden. Auch mir wurde Helen zunehmend unsympathischer –
die Geschichte dafür umso spannender und interessanter.
Geradezu schockiert war ich von Matts
Entwicklung, die mich auch stets hoffen und bangen ließ. Warum, müsst ihr
selbst herausfinden.
Der Focus liegt natürlich wieder auf der
Verbindung zwischen Lucas und Helen. Kleine Gesten, Blicke, Zurückhaltung und
der Kampf gegen die Gefühle dominierten. Ich litt mit ihnen, ja sogar noch mehr
als die beiden, weil ich dank „Göttlich verloren“ die Wahrheit kannte.
Für Helen ist der Kampf gegen Lucas‘
Anziehungskraft noch schwieriger, da sie stets Bilder von anderen Paarungen
Helen/Lucas aus unterschiedlichsten Zeiten vor Augen hat.
Der Schmerz der beiden war in den
zweisamen Momenten so präsent, ich konnte ihn spüren, litt mit ihnen und hoffte,
dass die beiden die Wahrheit herausfinden würden, bevor das Schlimmste passiert…
Es gibt zahlreiche weitere
Beziehungsentwicklungen in diesem Trilogie-Finale. Die Liebe ist stets präsent
und das ein ums andere Mal bleibt die Frage, was man alles für diese tun würde.
Dafür kämpfen? Alles und jeden verraten? Aus Angst vor Ablehnung ignorieren?
Jeder der Göttlich-Charaktere handelt auf seine ganz eigene Art und Weise.
Es werden neben den altbekannten auch
neue Charaktere eingeführt. „Historische“ wie reale. Andy beispielsweise hat
einen sehr interessanten familiären Background und ist den Göttern alles andere
als wohlwollend gestimmt. Nach einer Begegnung mit Apoll ist sie nicht
sonderlich von dessen Doppelgänger Hector zugetan. Doch auch sie findet ihren
Platz.
Die Autorin hat mich mit ihren
Verflechtungen zahlreicher Legenden, Mären und mythischen Erzählungen mehr als
nur beeindruckt. Lancelot und Guinevere, Artus und Mordred, Avalon und Atlantis
… zahlreiche bekannte Namen und Begriffe wurde so faszinierend glaubhaft in die
bestehende Welt rund um die Scions eingebunden, dass man vor Frau Angelini nur den
Hut ziehen kann. Sie zieht die ihrer Welt zugrunde liegenden Mythen enger,
vervollständigt sie durch weitere und schafft es, alle bisherigen
Handlungsstränge zu entwirren.
Der Schreibstil ist gewohnt flüssig
und für mich in genau richtigem Maße ausgeschmückt. Weiterhin wird im auktorialen
Erzählstil in Vergangenheit alles berichtet, was der Leser wissen muss. So ist
dieser überall dabei, erfährt Pläne oft vor den Charakteren und fiebert so
deren Reaktionen entgegen.
Der „Ausgang“ der Prophezeiung war für
mich leider ein wenig vorhersehbar und ich hätte am liebsten ein paar Blitze
geschleudert, um die Charaktere wachzurütteln. Aber auch dieser kleine „Mangel“
störte den Spaß am Verlauf der Geschichte in keinster Weise. Die Autorin konnte
eine stetige Grundspannung erhalten und durch zahlreiche Wendungen und
Aha-Erlebnisse schaffte sie zusätzliche Spitzen. Kontinuierlich steigerte sich
auch mein Tempo, ehe ich in einem grandiosen Showdown, der vor meinem inneren
Auge „Kampf der Titanen“ aufblitzen ließ, versank und anschließend einem
zufriedenen stellenden Ende entgegensteuerte.
Dennoch könnte ich mir eine
Fortsetzung der Geschichte rund um die Scions vorstellen.

 

 

Frau Angelini hat mit „Göttlich
verliebt“
einen perfekten Abschluss für ihre Trilogie rund um die
Götternachkommen geschaffen. Die immer weiter verwobenen Handlungsstränge aus
den vergangenen Bänden löste sie gekonnt auf, verflocht sie mit neuen Mythen
und zahlreichen Sagen, unterfütterte sie mit einer gehörigen Portion Spannung
und lässt auch die Herzen eines jeden Romantikers höher schlagen. Für mich
nicht nur das Highlight der Trilogie, sondern durch dieses gelungene Finale
auch eine Empfehlung für die gesamte Göttlich-Serie. Volle 5 Bücher für Lucas
und Helen.
Ein definitives Must-Read für Fans der
Vorgänger-Bände. Doch auch denjenigen, die mit Band 1 nicht vollkommen
zufrieden waren, empfehle ich das Weiterlesen. „Göttlich“ ist eine Trilogie,
die sich mit jedem Band weiter steigern konnte. Wer auf Götter und Mythen
steht, kommt nicht an Frau Angelini vorbei.

 

1.
Göttlich
verdammt (Rezension)
2.
Göttlich
verloren (Rezension)
3.
Göttlich
verliebt

 

 

31 KOMMENTARE

  1. Hach, wieder einmal eine tolle Rezension! Ich hab jetzt das Gefühl, das ich nicht die Hälfte von dem gesagt habe, was ich sagen wollte, aber ändern werde ich das jetzt auch nicht mehr 😀 irgendwie hab ich beim Schrieben den Faden verloren..jedenfalls sehr gelungen! Die Bücher sind aber auch einfach toll <3

  2. Tolle Rezension!
    Vielen Dank an dich, denn jetzt ich wusste nicht, wann wir die Rezension dazu veröffentlichen dürfen, na dann feile ich da noch ein bisschen herum und schon kann sie veröffentlicht werden 🙂

  3. Ich habe jetzt mal nur dein Urteil gelesen und du hast mich überzeugt – ich mochte den ersten Band nicht so wirklich, aber wenn Teil 2 und 3 besser sind, dann werde ich mir diese beiden wohl auch noch kaufen und hoffen, dass ich der gleichen Meinung bin wie du. 🙂

  4. Hört sich mehr als einer spannenden Geschichtsstunde an. Deine Leseempfindungen hast du ein weiteres Mal sehr filigran auf den Weg gebracht, wie ich finde.

    Beste Stöbergrüße, Kora

  5. Jetzt bin ich noch gespannter als vorher und erwarte die Ankunft meines Buches noch hibbeliger. Ich habe das Gefühl, ich weiß gar nicht mehr, was im letzten Buch passiert ist… Mal schauen, ob ich es irgendwie schaffe, das Wissen noch aufzufrischen 😉 Aber 5 Sterne von dir ist ja schon ein Lob 😀

  6. Ja, also die Entwicklung von Matt macht mich immer noch FERTIG!!!!!
    Aber es ist ein toller dritter Teil und ich hoffe die letzten 50 Seiten bleiben sooo toll^^ (Aber ich glaube schon)
    LG Jan

  7. Wow, ich bin nun noch gespannter auf das letzte Buch.
    Die anderen Teile habe ich die letzten Monate verschlungen.
    Ich freue mich wirklich und die Entwicklungen scheinen ja nicht gestoppt zu haben, aber was ist mit Matt???
    Ich bin gespannt 🙂

    LG Marie^^

  8. So, ich kann mir das nicht ansehen, wie ihr alle den Band schon zuhause habt, also bin ich gestern in den Buchladen gestürmt und hab es mir gekauft 🙂 Ich bin ja sehr gespannt, Teil 2 fand ich schwächer als den ersten.

  9. Hallo 🙂
    Tolle Rezension! Ich sehe es grundsätzlich genauso. Helen war mir von Anfang an irgendwie unsympathisch und das hat sich auch im letzten Band nicht geändert. Wen ich sehr mochte war Hector und Orion. Meine beiden Lieblinge aus der Reihe! Die vielen verschiedene Verknüpfungen mit der griechischen Mythologie haben mir auch richtig gut gefallen.
    Liebe Grüße,
    Apricia
    #Clockwork

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