♀ Spiel des Lebens (Veit Etzold) [Rezension]

„Du hast mir mein Leben gestohlen.
Und ich hole es mir zurück.“
(S.30)
 
„Willkommen im Spiel des Lebens, Emily.
Du hast die Wahl.
Sieg oder Tod.“
(S.67)

 

Emilys 18. Geburtstag ist in wenigen Tagen. Vorerst macht sie jedoch einen großen Schritt in die Selbstständigkeit. Sie beginnt ihr Studium am King’s College und zieht in ein Wohnheim. Doch bereits in der ersten Nacht wird sie von schaurigen Träumen aus dem Schlaf gerissen. Oder war tatsächlich jemand in ihrem Zimmer? Ihre Situation spannt sich weiter an, als eine Botschaft an ihrem Schließfach hinterlassen wird.
Dann wird sie in der U-Bahn von Betrunkenen angegriffen. Wie durch ein Wunder tauchen Squatter – Obdachlose – auf und „retten“ sie. Doch nicht ohne Hintergedanken: Die Leiche eines der Angreifer wird gefunden – mit einer Nachricht für Emily…
Und das Spiel beginnt.

 

Der Prolog erzählt von der Entführung eines Jungen und spielt 13 Jahre vor der eigentlichen Geschichte. Allein durch diesen kurzen Einblick wird der Leser unglaublich neugierig gemacht und wartet gebannt darauf, mehr über den Jungen zu erfahren.
Neben der Hauptprotagonistin erfahren wir am meisten (und doch nichts) über den „Spieler“. Derjenige, der Emily dies alles antut. Denn den Kapiteln aus Emilys Perspektive (in 3. Person erzählt) werden kursiv gedruckte Kapitel eingefügt, die „seine“ Sicht auf die Dinge erläutern. So wird der Leser noch einmal besonders animiert, sich an dem Rätselraten um den geheimnisvollen Spieler zu beteiligen.
„Spiel des Lebens“ ist ein Thriller, der mehr auf Spannung als auf tiefgründige/nachvollziehbar handelnde Protagonisten setzt. Der Leser erfährt aber genügend, um sich in die Charaktere hineinzuversetzen:
Emily wird von ihrer Mutter überbehütet und ist froh, endlich ihre Selbstständigkeit unter Beweis zu stellen. Die ist vermutlich auch der Grund, wieso sie sich mit ihren stärksten Ängsten konfrontiert – auf das Spiel einlässt – anstatt zu kapitulieren.
Dazu kommt, dass sie ihre Ängste zwar kennt, aber nicht weiß, worauf sich diese begründen. Je weiter das „Spiel“ voranschreitet, desto mehr Erinnerungsfetzen bekommt sie zu fassen – und kommt so der tödlichen Ursache des Ganzen auf die Spur. Denn das „Spiel des Lebens“ wird zum „Spiel des Todes“.
Der Charakter des Spielers war für mich sehr interessant. Man spürt den Hass, die Gerissenheit und Durchtriebenheit. Er ist ein Planungsfanatiker und muss alles im Griff haben. Sein Spiel wurde jahrelang geplant und in der Wahl der Quelle seiner Rätsel erkennt man, wie er sich selbst bzw. Emily sieht.
Der Schreibstil des Autors ist flüssig und ohne große Ausschmückungen, die das großartige Tempo des Buches ausgebremst hätten. Nach wenigen Sätzen stach mir jedoch eines unangenehm ins Auge: Da das Buch in Vergangenheitsform geschrieben ist, hat Herr Etzold für Erinnerungen und kurze Rückblicke das Plusquamperfekt verwendet. Dies führte dazu, dass teilweise in einem einzigen Satz bis zu 4x „hatte“ vorkommt.
Nach dem ersten Drittel wurde das Ganze entweder besser oder es ist mir nicht mehr aufgefallen.
Denn die Spannung und der Drang, weiterzulesen, dominieren das Buch. Der Leser wird häppchenweise mit Indizien gefüttert, die ihn zur Tätersuche animieren. Durch das Hinzufügen neuer Charaktere wird der Spannungsbogen stets aufrecht erhalten.
Die Auflösung bzw. das Motiv waren für mich nicht ganz so schlüssig… Oder ich kann mich nicht in einen Psychopathen hineinversetzen – aber das ist auch gut so.
Das Buch ist in sich zwar abgeschlossen, endet aber mit einem Cliffhanger, der definitiv Lust aufs Weiterlesen macht.

Wenn ein Buch etwas Besonderes an sich hat, wird das auch in unseren Rezensionen Erwähnung finden: „Spiel des Lebens“ hat einen wundervollen Schnittdruck, den ihr hier auf dem Bild bewundern könnt. Was mir dabei aufgefallen ist: Je weiter die Geschichte fortschreitet und die Spannung steigt, desto schwärzer wird die Seite…

 

„Spiel des Lebens“ ist spannend und mitreißend, teilweise jedoch nicht nachvollziehbar. Ich habe zwar wenig Erfahrung mit Thrillern, hatte mir aber etwas mehr erhofft. Als Must-Read würde ich „Spiel des Lebens“ daher nicht bezeichnen, eine Empfehlung in Form von 4 Büchern hat es aber verdient.
Für Fans des Genres liest es sich sicherlich ganz anders!
Über die Fortsetzung von „Spiel des Lebens“ gibt es noch keine genaueren Infos.

 

9 KOMMENTARE

  1. Hallo und vielen Dank für diese tolle Rezension 😉
    Ich werde mir das Buch auch auf jeden Fall zulegen. Mir hat bereits Final Cut ganz gut gefallen, und bin nun wirklich neugierig auf Mehr.
    Liebe Grüße
    Chrissy

  2. Ich habe das Buch vor kurzem zufällig im Buchhandel gesehen und war nicht sicher, ob es das hält, was es im Klappentext verspricht.
    Aber ich glaube nach deiner Beurteilung werde ich es mir bestimmt irgendwann mal zulegen 🙂
    Danke für die gute Rezension!
    Liebe Grüße,
    Lyrica

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here