♂ Stadt aus Trug und Schatten 01 (Mechthild Gläser) [Rezension]

„Mein Geist hing in einem schwarzen Nichts, 
das weder die Schattenwelt war noch ein Traum.
Ich schlief nicht und ich wachte nicht.
Wie ein Schleier lag die Dunkelheit über mir und 
bedeckte mein Gesicht.“
(S. 246)

 

Flora ist in Essen zu Hause. Sie lebt hier gemeinsam mit ihrem Vater und der Haushälterin Christabel. Ihre Eltern haben sich vor zehn Jahren getrennt. Wiebke ist Floras beste Freundin. Mit Wiebkes Zwillingsbruder Linus war sie bis vor kurzem zusammen.
In der letzten Nacht hatte Flora einen seltsamen Traum. Obwohl sie sonst eigentlich niemals träumt. Und plötzlich sieht sie auch noch die Schatten.
Floras Vater nimmt einen Austauschschüler aus Finnland auf. Sein Name ist Marian. Flora findet das sehr ungewöhnlich, weil sie selbst bisher noch nicht einmal ihre beste Freundin mit nach Hause bringen durfte. Und jetzt wohnt sogar ein völlig Fremder mit in der Wohnung.
In der folgenden Nacht wiederholt sich ihr Traum. Flora befindet sich plötzlich in einer düsteren Stadt, in der die Zeitzonen zusammenfließen zu scheinen. Hier begegnet sie Marian erneut. Seine Hilfe jedoch schlägt sie aus.
Am nächsten Tag eröffnet ihr Marian, dass sie nun Nacht für Nacht in diese Stadt namens Eisenheim zurückkehren wird. Flora ist nun eine Wandernde. Nachts kommen alle Seelen nach Eisenheim. Doch nur die Wandernden tun dies auch bewusst und können sich am nächsten Tag daran erinnern. Nur sie sehen die Schatten auch am Tag und können jederzeit von diesen verletzt werden…

 

Ich habe im Vorfeld sehr viele unterschiedliche Meinungen zu diesem Buch gehört. Deshalb dachte ich, es wäre nun an der Zeit, selbst einmal in dieses Buch hineinzuschauen.
Die Grundidee dieses Buches ist fantastisch! Man stelle sich vor, unsere Seelen schuften jede Nacht in den Minen und Fabriken Eisenheims. Und am nächsten Tag wissen wir nichts mehr davon. Nur die wenigen Wandernden unter uns sind sich der Existenz Eisenheims überhaupt bewusst. Ein gruseliger Gedanke, dass ich nachts in dieser Art und Weise ausgebeutet werde…
Erzählt wird die Geschichte durchgängig aus der Sicht der Hauptprotagonistin Flora. Anfangs hatte ich zwar ein Problem, so richtig in die Geschichte hineinzukommen. Mit steigender Seitenzahl jedoch hat sich dieses dann vollends aufgelöst und ich bin in meinen erhofften Lesegenuss gekommen! Die Liebesgeschichte steht natürlich eindeutig im Vordergund, allerdings kommen auch die Freunde dunkler Geheimnisse, anderer Welten und überraschenden Wendungen auf ihren Geschmack. Für mein Empfinden ist die düstere Atmosphäre Eisenheims sehr, sehr gut beschrieben. Interessant fand ich auch die Idee, viele berühmte Gebäude großer Metropolen der realen Welt einzubauen. Am besten hat mir an Eisenheim das Künstlerviertel gefallen. Insgesamt war Eisenheim sehr bildlich beschrieben. Super gemacht!
Um nochmal auf die Liebesgeschichte zurückzukommen. Ich möchte da eigentlich nur soviel verraten, dass man diese unter dem Gesichtspunkt „so nah und doch so fern“ erfährt und fortschreitend natürlich viele Hintergründe bekommt, weshalb einige anfangs scheinbar unlogische Verhaltensweisen nun abgerundet werden.
Die Protagonisten selbst sind durchweg gut getroffen und man kann sie sich gut vorstellen.
Flora ist, nachdem sie plötzlich Schattengestalten sieht, völlig verwirrt. Bis jetzt hatte sie ein mehr oder weniger geregeltes Leben geführt. Doch nun wird sie sprichwörtlich über Nacht in eine völlig fremde Welt hineingerissen. Nach anfänglichen Problemen findet sie sich immer besser in der Parallelgesellschaft zurecht und wirkt selbstbewusster.
Marian, der vermeintliche finnische Austauschschüler, scheint auf den ersten Blick unnahbar und jeder Situation überlegen. Mit fortschreitender Geschichte bekommen wir auch von ihm tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt und werden manchmal sogar noch überrascht. Für sein mitunter eigentümliches Verhalten gibt es allerdings auch mehr als nur eine Erklärung…
Linus tat mir ehrlichgesagt leid. Jeder weiß wahrscheinlich, wie es ist, wenn Gefühle nicht erwidert werden. Oder schafft es Linus doch noch, Flora zurückzugewinnen? Diesen Charakter fand ich sehr sympathisch.
Insgesamt war das Buch gut zu lesen und ich war von einigen Wendungen überrascht.

 

„Stadt aus Trug und Schatten“ ist ein wirklich tolles Buch mit einer sehr guten Idee. Das Buch wird alle begeistern, für die eine ausgewogene Mischung aus Spannung, Überraschungen und Liebe den optimalen Lesegenuss bietet. Für die spannenderen Szenen hätte vielleicht ein bisschen mehr Raum sein können. Diesem Buch kann ich aber guten Gewissens 4 Bücher geben. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung der „Schattenwelt-Trilogie“.
1. Stadt aus Trug und Schatten
2. ?
(Erscheinungsdatum unbekannt)
3. ?
(Erscheinungsdatum unbekannt)

10 KOMMENTARE

  1. Das Buch möchte ich auch noch gerne lesen 😉

    Schöne Rezension, aber ich lese eh meistens alle eure Rezensionen, weil das oft meinen Leseeindrücken am Nächste kommt!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Ich kann Dir leider in vielen Punkten nicht zustimmen :/ Flora war mir sehr unsympathisch, genauso wie Marian… nur die Haushälterin war nach meinem Geschmack 😉
    Freut mich aber trotzdem, dass es Dir gefallen hat! <3

  3. …ja, ist schon Geschmackssache, da gebe ich dir absolut recht. Was ich bisher an Bewertungen für dieses Buch gelesen habe, war entweder ganz gut oder in Richtung "na ja"…dazwischen scheint es nicht viel zu geben 😉 Danke für das ehrliche Feedback <3

    LG

    Kay

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